Final Crop

In der Kunst geht es darum, zwei Zugänge zu finden: den zur Welt und den zu sich selbst. Oft wird behauptet, es komme beim Fotografieren darauf an, den „richtigen“ Moment zu erwischen. Ich halte das für eine Verkürzung. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wann für mich als Fotograf der richtige Zeitpunkt gekommen ist, gerade dieses Foto zu machen. In mir und in der realen Welt ist Zeit mehr als ein Augenblick.

Die Telefonzelle steht viele Jahre an ihrem Platz, plötzlich ist sie verschwunden – nicht nur sie, sondern fast alle Telefonzellen dieser Bauart. Aus meiner inneren Welt kann sie nicht verschwinden. Indem ich eine ältere Aufnahme hervorhole und neu bearbeite, erschaffe ich sie neu und damit die Umgebung, in der sie in mir und in der Außenwelt ihren Platz hat.

Ohne einen Raum ist die Zeit bedeutungslos. Mit Hilfe von Raum und Zeit können wir uns selbst und die Welt um uns herum vergegenwärtigen. Es geht um die Gegenwart, nicht um den Augenblick. Was ist zugegen im Foto und in mir? Wie wird mir etwas gegenwärtig? Der Antwort komme ich näher, wenn ich reduziere: die Objekte, die Details, die Schärfe, die Farben und schließlich den Ausschnitt

„Final Crop“ ist der Versuch, durch das Beschneiden Raum und Zeit zu öffnen. Das ist die geistige Dimension: die Gegenwart der Bilder in das jeweils eigene Verhältnis zur Innen- und Außenwelt zu setzen mit dem Ziel, den Abstand zu verringern.