Optische Achse

Bei der Aufnahme muss die Kamera exakt in der Mittelachse positioniert werden, so dass Objektebene und Sensorebene vollkommen parallel ausgerichtet sind.

Die Kamera wird auf Stativ oder Schienensystem so justiert, dass das Objektiv in der Mitte des Suchers zu sehen ist. Dabei muss sie vertikal und horizontal in der Waage stehen.

Vorlagenhalter

Bei Gemälden auf Keilrahmen oder maßhaltigen Bildträgern ist die Planlage in der Regel kein Problem. Für nicht kaschierte Blätter wird oft ein verglaster Wechselrahmen verwendet, was keine gute Lösung ist, weil Glasflächen immer eine optische Wirkung haben und selten makellos sauber sind.

Daher benutze ich eine Saugplatte, auf der die Papiere ohne Beschädigung fixiert werden können.

Beleuchtung

Zum Einsatz kommen Studioblitze mit Normalreflektoren und vorgesetztem linearen Polfilter. In Verbindung mit einem um 90° dazu verdrehten Polfilter vor dem Objektiv werden sämtliche Reflektionen eliminiert. Im Ergebnis erhält man sehr reine Farben.

Die geometrischen Abstände zwischen Vorlage, Kamera und Blitzleuchten werden mit einem handlichen Laser-Entfernungsmesser kontrolliert.

Belichtung

Der Ausschlag der Graukarte in der Mitte veranschaulicht die korrekte Belichtung, während der sehr schmale Balken rechts ein Hinweis auf die ausgezeichnete Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung des Vorlagenhalters über den gesamten Bereich von 70 x 100 cm ist.

D

Bildauflösung

Während bei allgemeinen fotografischen Aufgaben die Auflösung digitaler Systemkameras unterhalb des Vollformats in der Regel völlig ausreichend ist, können in der Reprofotografie hochauflösende Sensoren ihr Potenzial fast zu 100% ausschöpfen. Das liegt einfach daran, dass die Kamera fest montiert ist und die Belichtung mit Studioblitzen erfolgt. Verwackeln oder mangelnde Schärfentiefe sind hier kein Thema.

Kamera

Die Kombination der spiegellosen Systemkamera Sony α 7R mit dem Makroobjektiv Sony FE 2.8/90 mm erlaubt gestochen scharfe Aufnahmen mit 36 Megapixel von der Briefmarke bis zum Format DIN A0.

Für die Ausrichtung wird ein 3-Wege-Neiger verwendet. Die Kamera ist auf einem Schienensystem montiert, das eine rasche Anpassung der Aufnahmedistanz erlaubt.

Farbgenauigkeit

Helligkeit und Kontrast sind bei einer Reproduktion nicht so ein großes Problem wie die korrekte Farbwiedergabe. Auch hochwertige Kameras produzieren systembedingt erhebliche Abweichungen. Mit Hilfe einer sehr guten Profilierung der Kamera können diese minimiert werden. Spalte 2 zeigt die Referenzfarben, Spalte 1 die Farben des Standardprofils von Adobe und Spalte 3 die mit der Software input 5 von basICColor erzielten Farben.

Licht

Nicht zuletzt beeinflusst das auftreffende Licht (Farbtemperatur, Richtung, Klarheit, Helligkeit, Raumwinkel und Verteilung) den Farbcharakter von Kunstwerk und Reproduktion. Beide müssen unter identischen Lichtverhältnissen verglichen werden.

Unverzichtbar und letzte Instanz bleibt dabei die subjektive Beurteilung und ggf. Korrektur des Ergebnisses durch Künstler und Fotograf.

Farbstoffe

Die Vorlagen bestehen aus den unterschiedlichsten Trägermaterialien und Farbstoffen. Allein die Tatsache, dass der Pigmentdrucker ganz andere Substanzen verwendet und sie in in sehr geringer Stärke aufträgt, ist für Unterschiede bei der Wahrnehmung verantwortlich. Es ist schlicht unmöglich, mit Druckerfarben oder auf einem Display den Eindruck zu simulieren, den der Abrieb von Bleistift auf Papier hervorruft.

Oberfläche

Die Wiedergabe der Oberfläche muss dem Charakter des Kunstwerks entsprechen. Weder Untergrund (Papierfasern, Leinwand, Holz usw.) noch Farbmasse (Ölfarbe, Kreide, Bleistift usw.) dürfen untypisch wiedergegeben werden oder gar «beleuchtet» aussehen. Der Pinselstrich soll zwar erkennbar sein, darf aber nicht übertrieben plastisch wirken. Besonders schwierig sind Reproduktionen von Gemälden mit glänzenden Oberflächen.

Bildrezeption

Heutzutage werden Bilder überwiegend nicht mehr real oder gedruckt, sondern auf Displays betrachtet. Das macht einen fundamentalen Unterschied, weil diese Licht emittieren und nicht reflektieren. Zudem sind meistens Kontrast und Helligkeit zu hoch eingestellt und die Farben zu grell. Eine Reproduktion, die ausgedruckt (subtraktive Farbmischung) eine große Ähnlichkeit mit dem Original aufweist, kann auf dem Bildschirm viel zu «knallig» und «bunt» wirken (additive Farbmischung).